Forschung

    • Sekten in Russland im 19. Jahrhundert

    Leitung: Prof. Dr. Stefan Plaggenborg (RUB)
    Mitarbeiterin: Dr. Agnieszka Zaganczyk-Neufeld
    Förderinstitution: RUB
    Laufzeit: 2015-2021

    URL: http://www.ruhr-uni-bochum.de/oeg/zaganczykneufeld.html

    Gegenstand des Projektes ist der religiöse Dissens, der sich im Glauben und in den Alltagspraktiken der religiösen Gemeinschaften („Sekten“) der Altgläubigen, Chlysty, Skopcy, Molokany, Duchoborcy und Stundisten zum Ausdruck brachte. Es handelt sich um „Sekten“, die sich von der russischen Orthodoxie abgespalten und die „angeborene“ orthodoxe Religiosität der Russen in Frage gestellt haben, und für die somit die religiöse Toleranz nicht galt. „Sekten“ verstießen gegen das Dogma und den Autoritätsanspruch der Amtskirche, und gegen den Staat und seine auch auf die orthodoxe Religion gründende Autorität. Sie bildeten nicht so sehr theologische Dogmen, als vielmehr abweichende Frömmigkeitsformen mit sehr unterschiedlichen Verhaltensregeln aus, die konkrete Auswirkungen auf ihre Lebens- und Arbeitswelt, aber auch auf ihre Nachbarschaft hatten. Das Projekt verfolgt die Entwicklung der „Sekten“ vor dem Hintergrund des sozialen Wandels, der beschleunigt seit den 1860er Jahren einsetzte (Industrialisierung, Rechtsreformen, Aufhebung der Leibeigenschaft, Urbanisierung, Prozesse des Nation Building), um ihre Rolle und Bedeutung für die Modernisierungsprozesse Russlands herauszuarbeiten.

    • Kybernetik und 'wissenschaftlich-technische Revolution' in der Sowjetunion 1948-1980

    Projektleitung: Prof. Dr. Stefan Plaggenborg
    Projektmitarbeiter: Matthias Völkel
    Förderinstitution: DFG
    Laufzeit: 2015-2018

    URL: http://www.ruhr-uni-bochum.de/oeg/

    Das Projekt untersucht den Versuch der Neuausrichtung der sowjetischen Moderne nach dem Stalinismus. Es rekonstruiert die institutionelle und personelle Aufstellung der Kybernetik sowie Überlegungen, wie die sozialistische Gesellschaft, Wirtschaft und Verwaltung auf der Basis moderner wissenschaftlicher Erkenntnisse und technischer Hilfsmittel kontrolliert und ihre Entwicklung dynamisiert werden konnten. Technizistische Machbarkeitsvisionen und gesellschaftliche Kontrolle gingen dabei Hand in Hand.

    • Hüter der Gerechtigkeit: Zur Figur des gerechten Herrschers in Altrussland

    Projektleitung: Prof. Dr. Stefan Plaggenborg
    Förderinstitution: Seniorfellow am Historischen Kolleg
    Laufzeit: 2015-2016

    URL: http://www.historischeskolleg.de/personen/professor-dr-stefan-plaggenborg/ , http://www.ruhr-uni-bochum.de/oeg/

    Pravda/Gerechtigkeit und Herrschaft in Altrussland: Pravda gehört zu den zentralen Begriffen der politischen Sprache in altrussischen Quellen. Sie bedeutet Gerechtigkeit, Wahrheit, Weisheit (um Wahrheit zu erkennen) und das richtige Handeln. Von Anfang an war sie mit Herrschaft verknüpft. Gerechte Herrschaft war auch in Russland gerechtfertigte Herrschaft, aufzufinden in vielfältigen Legitimationsdiskursen, aufgeladen mit religiösen und moralischen Anforderungen, vom Vorwurf der Ungerechtigkeit bedroht und durch fundamentale soziale und politische Veränderungen einem Wandel unterworfen. Indem das Vorhaben Diskurse, Praktiken und Kommunikation miteinander verknüpft, bietet es Einblicke in die Kulturgeschichte der russischen Autokratie, die zugleich als eine Geschichte der russischen Staatsbildung gelesen werden kann.

    • Religiöse Dissidenten in der Sowjetzeit

    Leitung: Prof. Dr. Thomas Bremer (WWU)
    Mitarbeiter: Christian Föller M.A.
    Förderinstitution:
    Laufzeit: 2014–2017

    Url: https://www.uni-muenster.de/FB2/personen/oekumene/abt2/bremer.html

    Das Projekt beschäftigt sich mit Dissidenten in der Sowjetunion in den 60er–bis 80er-Jahren des letzten Jahrhunderts, die orthodox waren und die sich zugleich gegen die Einschränkungen des religiösen Lebens durch die staatlichen Behörden wie auch gegen die Haltung der offiziellen Kirche zur Sowjetregierung und deren Kirchenpolitik öffentlich äußerten. Gegen sie wurde hart vorgegangen, ohne dass die Kirche zu ihrem Schutz eingegriffen hätte. Sie waren damit in einer doppelten Situation des Andersdenkens: Sie verlangten einerseits vom Staat Freiheiten und Zugeständnisse, die er nicht gewähren wollte, und sie stellten sich andererseits auch gegen die Leitung der Russischen Orthodoxen Kirche, die den Dissidenten wegen ihrer eigenen Staatsloyalität keinerlei Unterstützung gewährte. Die Erforschung dieser komplexen Situation, der Hintergründe und der Motive religiösen Andersdenkens, der gegenseitigen Beziehung zur Amtskirche sowie die Entwicklung der Positionen der Dissidenten in der Perestrojka und nach dem Ende der UdSSR sind daher Gegenstand dieses Projekts.

    • Life Writing Andersdenkender in der Sowjetunion (1960er bis 80er Jahre)

    Projektleitung: Prof. Dr. Mirja Lecke (RUB)
    Projektmitarbeiterin: Christina Jüttner M.A.
    Förderinstitution: DFG
    Laufzeit: 2014–2017

    URL: http://www.slavistik.rub.de/index.php?Forschungsprojekte-17

    Das Life Writing der Andersdenkenden aus dem Umfeld der Dissidentenbewegung ist bisher, abgesehen von Einzelbemerkungen oder als Quelle für die historische Dissidentenforschung, noch nicht Gegenstand einer systematischen Untersuchung geworden. Als literarische Erzeugnisse werden die Werke kaum je angesehen. Auch über das Andersdenken als Lebensmodell und Subjektform wissen wir bisher kaum etwas. Aus dem Diskussionszusammenhang der Forschergruppe stehen in diesem Teilprojekt folgende Problemfelder im Zentrum: Die Modellierung von Norm und Abweichung, Konzepte von Öffentlichkeit und Privatheit und ihre Verbindung mit Thema und Stil sowie in den Texten konstruierte Geschichten des Andersdenkens in Russland.

    • Freiheitsdiskurse in Russland

    Leitung: PD Dr. Nikolaj Plotnikov (RUB)
    Mitarbeiterin: Dr. Svetlana Kirschbaum
    Förderinstitution: DFG
    Laufzeit: 2014–2017

    URL: http://www.slavistik.rub.de/index.php?Forschungsprojekte-16

    Das Projekt widmet sich der Frage, welche Bedeutung die Freiheit als Idee und Begriff im politischen und kulturellen Bewusstsein Russlands seit dem ausgehenden 18. Jahrhundert bis in die Gegenwart hinein hat: Anhand der Analyse semantischer Transformationen der Freiheitsbegriffe sollen im Projekt die zentralen Traditionslinien des Freiheitsverständnisses in der russischen Ideengeschichte systematisch untersucht werden.
    Die Aufgabe des Projekts ist es zum einen zu klären, welche Aspekte von Freiheit in der russischen ‚intellectual history‘ in besonderer Weise relevant werden, und sie mit den (west)europäischen Thematisierungen von Freiheit vergleichen. Zum anderen soll gezeigt werden, welche Funktion die philosophischen Freiheitsbegriffe im Prozess der Herausbildung des öffentlichen Diskurses erfüllen.

    • Anti-modernes Andersdenken in Russland

    Leitung: Dr. Michael Hagemeister (RUB)
    Mitarbeiter: Dr. Michael Hagemeister
    Förderinstitution: DFG
    Laufzeit: 2014–2017

    Url: http://www.ruhr-uni-bochum.de/oeg/index.html

    Das anti-moderne Andersdenken gehört zur Geschichte der oppositionellen Diskurse in Russland. Mit seinem Insistieren auf Ganzheit(lichkeit) oder Integrität wendet es sich dezidiert gegen die westeuropäische Moderne, die als Auflösung und Zerstörung der „ganzheitlichen Kultur“ (celostnaia kul’tura) des christlichen Mittelalters verstanden wird. Die bedrohte bzw. verlorene ursprüngliche Einheit, so die Grundvorstellung dieses holistisch-synthetisierenden Denkens, müsse bewahrt bzw. wiederhergestellt werden. Dazu sei gerade Russland prädestiniert. Obwohl sich durchaus Berührungspunkte mit der ideokratischen Sowjetzeit ergaben, geriet dieses Denken durch seinen Universalitätsanspruch oftmals in Konflikt mit dem herrschenden Diskurs der Macht (des Staates, der institutionalisierten Kirche, der offiziellen Ideologie). Damit erweist es sich als Andersdenken (inakomyslie) in Bezug sowohl auf den fremden „Westen“ als auch auf die im eigenen Land akzeptierten und propagierten Normen bzw. (Selbst-)Beschreibungen der Gesellschaft.

    Das Projekt will diesen mehrfachen Bezügen nachgehen und die wesentlichen Konzepte des Andersdenkens mit seinen Annahmen, Traditionen und Diskursbesonderheiten, die bisher in ihrer Gesamtheit nicht erforscht sind, untersuchen.

    • Politik und literarische Tradition: die Entwicklung der russisch-georgischen Literaturbeziehungen seit der Perestrojka

    Projektleitung: Prof. Dr. Mirja Lecke (RUB)
    Projektmitarbeiterin: Dr. Elena Chkhaidze
    Förderinstitution: Volkswagenstiftung
    Laufzeit: 2013–2016

    URL: http://www.slavistik.rub.de/index.php?Forschungsprojekte-10

    Das literarische Leben in Russland und Georgien ist seit mehreren Jahrhunderten eng verflochten. Während der Sowjetperiode wurde das kulturelle Miteinander durch den Mythos der „Völkerfreundschaft“ begründet; aufrecht erhalten wurde es nicht zuletzt mit ökonomischem, politischem und militärischem Druck. Mit dem Ende dieser erzwungenen Gemeinschaft 1991 positionieren sich die neu bzw. wieder entstandenen Nationen politisch und kulturell ganz neu zueinander, es findet, zumindest in der Tendenz, eine Entflechtung, eine kulturelle Diversion, statt. Dieser Prozess wird im Projekt anhand der georgisch-russischen Literaturbeziehungen seit der Perestrojka untersucht. Wir möchten ergründen, wie russisch bzw. georgisch schreibende Autoren sich auf die literarische Tradition beziehen, welche Motive und Narrative sie füreinander finden. Dadurch möchten wir Rückschlüsse ziehen auf das Funktionieren der Beziehung von Herrschaft und Literatur in diesem spezifischen postsowjetischen Raum.

    • Deutsche Kultur und Wissenschaft in Wilna (1803–1832)

    Projektleitung: Dr. habil. Monika Bednarczuk
    Projektmitarbeiterin:  Prof. Alfredas Bumblauskas, Dr. Katarzyna Filutowska, Dr. habil. Marta Kopij-Weiss, Prof. Mirja Lecke und Dr. Loreta Skurvydaite
    Förderinstitution: BKM
    Laufzeit: 2015–2018

    URL:

    • Die UdSSR und Ungarn im „Rat für gegenseitige Wirtschaftshilfe“: Imperiale Struktur oder sozialistische Wirtschaftsintegration?

    Projektleitung: Prof. Dr. Stefan Plaggenborg (RUB)
    Projektmitarbeiter: Christian Mady, Erik Radisch
    Förderinstitution: Fritz Thyssen Stiftung
    Laufzeit: 2010-2013

    URL: http://www.ruhr-uni-bochum.de/oeg/RGWprojektskizze.html

    Der wirtschaftliche Zusammenschluss Osteuropas im „Rat für gegenseitige Wirtschaftshilfe“ (RGW oder auch Comecon) bildete die sozialistische Variante wirtschaftlicher Zusammenarbeit unter verschiedenen Staaten. Der Versuch, den sozialistischen Wirtschaftsraum arbeitsteilig zu organisieren und zu integrieren, gilt als gescheitert. Das Forschungsprojekt untersucht die zwischen den 1950er und 1970er Jahren unternommenen Schritte zur wirtschaftlichen Integration des „Ostblock“ und der Resistenz dagegen.
    Im Mittelpunkt der Untersuchung stehen die UdSSR als politisches und wirtschaftliches Zentrum des RGW und Ungarn, dessen wirtschaftliches Lenkungssystem nach den Reformen von 1968 innerhalb des RGW am stärksten vom sowjetischen Modell der Planwirtschaft abwich.

    • Entstalinisierung in der sowjetischen Provinz. Barnaul 1953-1964

    Projektleitung: Prof. Dr. Stefan Plaggenborg
    Projektmitarbeiter: Dr. Oleg Garms
    Förderinstitution: DFG
    Laufzeit: 2014-2017

    URL: http://www.ruhr-uni-bochum.de/oeg/garmsprojekt.html

    Das Projekt widmet sich der Regierungszeit Chruščevs, die als Zeit der Entstalinisierung und „Tauwetter“ bezeichnet worden ist. Über Verlauf, Ergebnisse und Bedeutung der Entstalinisierung zwischen Stalins Tod 1953 und dem Sturz Chruščevs 1964 wissen wir heute im Großen und Ganzen gut Bescheid. Unklar ist, wie sich dieser Wandlungsprozess in der Provinz abgespielt hat, ob, auf welche Weise und mit welchen Folgen für die lokale Gesellschaft sich die Loslösung vom Stalinismus vollzog. Um von der Moskauer Zentralperspektive wegzukommen, werden Stadt und Umland Barnaul in der Altaj-Region ausgewählt. Barnaul war ein Ort, in dem sich die politischen, sozialen und wirtschaftlichen Prozesse der Entstalinisierung mit voller Wucht entfalteten. Diese Zusammenhänge in ihren lokalen Kontexten will das Projekt untersuchen.

    • Societies under German Occupation – Experiences and Everyday Life in World War II

    Leitung: Prof Dr. Tatjana Tönsmeyer und Prof. Dr. Peter Haslinger

    Url: http://www.societies-under-german-occupation.com/

    The history of the Second World War has thus far been written predominantly as a history of Nazi aggression and its perpetrators. The Holocaust and the crimes of the Wehrmacht, as well as resistance movements in the occupied countries have been the focus of historical research. In contrast, there is a notable dearth of research on and documentation of the situation and perspectives of local populations living in German-occupied Europe.

    The international research and editorial project ‘Societies under German Occupation – Experiences and Everyday Life in World War II’ seeks to address this deficit. The aim of the project is to compile a collection of sources, in printed and digital form, which documents the diverse and complex everyday circumstances, experiences and survival strategies of ordinary people in the states and territories occupied by the Wehrmacht during the war.

    The carefully selected sources will demonstrate different perspectives and regional specificities of daily life for members of the occupied societies, which, at the height of German expansion, reached from Norway to Greece and from France into the Soviet Union, and encompassed at least 200 million people.

    The edition will thus offer a unique transnational perspective on a period and topic which remains highly relevant for the politics of history and memory throughout Europe, but which has so far been examined primarily within national frameworks. In doing so, it also seeks to give new impulses for the investigation of questions about everyday life during the occupation which have hitherto remained remarkably underexplored.

    The first phase of the project which has served as a pilot study has been funded by the Leibniz Association.

    • Kunst-Forschung zwischen Stenogramm und Enzyklopädie.

    Projektleitung: PD Dr. Nikolaj Plotnikov (RUB)
    Projektmitarbeiter: Dr. Anke Hennig
    Förderinstitution: DFG
    Laufzeit: 2018-2021

    URL: http://news.rub.de/presseinformationen/wissenschaft/2018-04-26-projektstart-der-grenze-zwischen-kunst-und-wissenschaft

    Strategien der Wissensgewinnung und -dokumentation an der Staatlichen Akademie für künstlerische Forschung in Moskau (1921–1930)

    Was ist künstlerische Forschung und wie modelliert sie das Gelenk zwischen Kunst und Wissen? Das Projekt arbeitet mit einem historischen Exemplum - der Praxis der Staatlichen Akademie für künstlerische Forschung (GAChN) in Moskau 1921-1930. Die GAChN war ein großer interdisziplinärer Verbund von Künstlern und Forschern – gegründet von Vasilij Kandinskij und dem Kommissar für Volksbildung Anatolij Lunačarskij. Das Korpus der Untersuchung bilden „Stenogramme" (d.h. Mitschriften der Diskussionen), die während der Arbeit am zentralen, unrealisierten Projekt der Akademie – der „Enzyklopädie der Kunstwissenschaften" – in großer Anzahl angefertigt wurden und die ein neuartiges Profil künstlerischer Begriffsbildung zu erkennen geben. Das Projekt reflektiert das „Stenogramm" in seiner zeitgeschichtlichen Bedeutung als Verfahren phänomenologischer Praxis und künstlerischer Forschung. Die historische Bedeutung der überlieferten Stenogramme wird neu durchdacht und zwar daraufhin, in welchem Maße sie uns eine Revision sowohl unseres Verständnisses der Akademie für künstlerische Forschung als auch unserer gegenwärtigen Forschungspraxis ermöglichen. Künstlerische Forschung wird auch die Arbeitsformen und Ergebnissen des Projektes prägen. Neben einem Workshop und sind deshalb ein Re-enactement eines Stenogramms, eine Videographie der archivarischen Arbeit und abschließend eine Ausstellung in Verbindung mit dem Sympsium des Projekts geplant.