01.09.2021

Podium Silesia. Beiträge zur Geschichte Oberschlesiens. Vortrag von Dr. habil. Grzegorz Bębnik 

Im antiken Rom bedeutete die Proskription ursprünglich die Zwangsversteigerung des Eigentums eines Schuldners. Zur Zeit des Zweiten Weltkriegs hatte sich die Bedeutung dieses Begriffs jedoch erheblich weiterentwickelt. Der Autor zeigt in seinem Buch und anderen Publikationen die Entwicklung der Proskriptionslisten in den deutschen Ländern bis zur NS-Zeit und dann den Einsatz dieser Verfolgungsinstrumente für die Zwecke der Besatzungspolitik. Funktionäre des Sicherheitsdienstes des Dritten Reiches erstellten nämlich im Voraus eine alphabetische Liste mit Namen von Polen, die für die künftige Besatzungsmacht gefährlich waren und schnell verhaftet und liquidiert werden sollten. Diese Liste ist heute in Form des „Sonderfahndungsbuches Polen“ überliefert und bekannt, aber wir wissen, dass es nicht die erste Liste dieser Art war. Im September 1939 verwendeten die in Polen tätigen Einsatzgruppen eine Liste, die heute als verloren gilt, die sog. Sonderfahndungsliste Polen. Erst auf dieser Grundlage wurde, und zwar nach notwendigen Ergänzungen, im März 1940 das Sonderfahndungsbuch herausgegeben.

 

Wie wurden die deutschen Proskriptionslisten erstellt? Wer sollte in die Liste aufgenommen werden? In welchem Umfang wurden sie anschließend von den Sicherheitsdiensten genutzt? Dr. Bębnik sucht in seinen Forschungen nach Antworten auf diese Fragen, indem er nicht nur das erhaltene „Sonderfahndungsbuch Polen“ analysiert, sondern es auch mit analogen Publikationen vergleicht, die für die Eroberung der westeuropäischen Länder vorbereitet wurden.

Grzegorz Bębnik (geb. 1970), Dr. habil., Historiker, Soziologe und Politikwissenschaftler, Mitarbeiter des Historischen Forschungsbüros des Instituts des Nationalen Gedenkens in Kattowitz. Autor von Publikationen zur Geschichte Polens und Oberschlesiens im 19. und 20. Jahrhundert unter besonderer Berücksichtigung des Zweiten Weltkriegs, darunter die Monographien: „Proskription in einer neuen Fassung. Deutsche Fahndungslisten am Vorabend und zu Beginn des Zweiten Weltkriegs“ (Warschau 2020), „Falken des Hauptmanns Ebbinghaus. Sonderformation Ebbinghaus in den Kampfhandlungen in Oberschlesien 1939“ (Krakau-Kattowitz 2015), „September 1939 in Kattowitz“ (Kattowitz 2012), sowie zahlreichen wissenschaftlichen und populärwissenschaftlichen Artikeln. Kürzlich veröffentlichte er zusammen mit Sebastian Rosenbaum eine zweisprachige polnisch-französische Sammlung von Dokumenten der französischen Besatzungstruppen in Oberschlesien aus der Zeit des Zweiten Polnischen Aufstands von 1920.

Der Vortrag findet am 1. September um 18:30Uhr im Haus Oberschlesien statt und wird live auf dem Youtube-Kanal des Oberschlesischen Landesmuseums übertragen.

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