20.04.2021, 19:00 Uhr
Stiftung Gerhart-Hauptmann-Haus, Deutsch-osteuropäisches Forum Düsseldorf, Bismarckstraße 90, 40210 Düsseldorf
 

Wojciech Korfanty (1873-1939) – ein Seiltänzer zwischen den Extremen.

Vortrag von Dr. Marcin Wiatr (Georg-Eckert-Institut Braunschweig)

»Korfanty, Albert (Wojciech) Poln. Fraktion. Geb. am 20. April 1873 in Sadzawka; katholisch. Besuchte die Volksschule in Siemianowitz 1879-87, das Gymnasium in Kattowitz 1887-96 und die Universitäten Berlin und Breslau 1896-1901. Ende 1901 Begründer des ›Gòrnòslazak‹, Poln. Tagesztg. Kattowitz, und Redakteur derselben. Seit 1905 Herausgeber der Zeitung ›Polak‹ in Kattowitz O.-S. Wegen Preßvergehen mit 4 Monaten Gefängnis bestraft, wegen Uebertretung des Vereinsgesetzes mit mehreren Geldstrafen. Mitglied des preußischen Hauses der Abgeordneten. Mitglied des Reichstags seit 1903.«

So stand es 1907 im Reichstagshandbuch für die 12. Legislaturperiode. Schon die Nennung der deutschen und der polnischen Form des Vornamens des Abgeordneten Korfanty, der gerade im Wahlkreis Kattowitz/Zabrze wiedergewählt worden war, sowie die Verzeichnung diverser Strafen, die dieser bereits erhalten hatte, deuten an, dass Korfanty eine nicht leicht einzuordnende, vielfach kontrovers beurteilte Persönlichkeit war. Nach den Hafterfahrungen im kaiserlichen Deutschland sollte Korfanty später bezeichnenderweise auch Gefängnisse im wiedergegründeten polnischen Staat kennenlernen. Manche sahen ihn als Helden, andere – keineswegs nur auf deutscher Seite – hielten ihn für einen Verräter und politischen Verbrecher.

Dr. Marcin Wiatr, der selbst aus Oberschlesien stammt, in Oppeln/Opole und Kiel Geschichte und Germanistik studiert hat und seit 2011 als Wissenschaftlicher Mitarbeiter für das Georg-Eckert-Institut arbeitet, unternimmt den Versuch dieser wechselvollen Biographie gerecht zu werden.

In Kooperation mit: Kulturreferat für Oberschlesien beim Oberschlesischen Landesmuseum

Stiftung Gerhart-Hauptmann-Haus